Satu Taskinen (Finnland/Österreich) ist in Helsinki geboren. Sie studierte Philosophie und Germanistik an der Universität Helsinki und arbeitet als Autorin und freie Journalistin. Nach Jahren in Deutschland und den Niederlanden lebt sie seit 1999 in Wien. Ihre Romane erschienen auf Finnisch und Deutsch, zuletzt Kinder (2018).
Deutsch
Auszüge aus dem Roman
Rakastan vierasta (Ich liebe das Fremde), Teos 2026
(Seiten 192-193 und 200-202.)
DER UHRMACHER
Als Kind hast du dir vorgestellt, es wäre möglich, den Kopf eines Menschen zu öffnen und ihn auf diese Weise zu reparieren, so wie ein Uhrmacher eine Uhr reparieren würde, die nicht richtig geht
oder stehen geblieben ist. Deine Wünsche hingen mit deiner Mutter und ihrer unbenannten Krankheit zusammen.
Davon träumst du immer noch.
Man spricht wieder von Elektroschocks. Damit soll man angeblich gute Ergebnisse bei der Behandlung von Depressionen erzielen … Vor Weihnachten warst du mit einem Freund auf der Prater Hauptallee
spazieren. Ihr habt euch unterhalten. Er sagte, er habe für sich selbst Elektroschocks beantragt. Man hat sie ihm nicht gegeben.
Man wollte stattdessen, dass er redet, hast du der Therapeutin gesagt. Auch Sie wollen, dass ich zu Ihnen rede. Dass ich Ihnen Geschichten über meine Vergangenheit und meine Gefühle, über frühere
und aktuelle Erlebnisse erzähle. Sie stellen Fragen und versuchen, mich dazu zu bringen, in den Geschichten etwas Neues zu sehen. Meine Sichtweise zu verändern. Oder diese Geschichten zu
erweitern. Ich soll mich an Sachen erinnern, die ich vergessen habe, absichtlich oder einfach so. Sie sagen, dass ich auf diese Weise, indem ich Geschichten erzähle, lerne, mich selbst und meine
Rolle in meiner Umgebung zu verstehen. Aber wieso sollte man sich denn durch Geschichten verstehen lernen?
Ist es nicht so, dass wir durch Geschichten nur lernen, uns selbst als Teil davon zu sehen? Wird das Leben auf diese Weise nicht immer mehr zum Synonym für eine Geschichte?
Welche Konsequenzen hat es, wenn man eine Geschichte als Synonym für das Leben betrachtet? An eine Geschichte werden alle möglichen formalen Anforderungen gestellt. Sie muss ein zentrales Thema
haben sowie einen spannenden Anfang und ein spannendes Ende. Sie muss unterhalten. Zum Beispiel. Solche Sachen. Wenn Leben und Geschichte gleichgesetzt werden und Geschichten dazu dienen, das
Leben zu erklären und zu beschreiben, besteht dann nicht die Gefahr, dass die Anforderungen an die Geschichte auch auf das Leben übertragen werden? Und passiert es dann nicht unweigerlich, dass
das Leben schlecht und unvollständig und in gewisser Weise fehlerhaft erscheint? Denn im Leben verwirklicht sich ja kein Schema einer Geschichte. Man kann es natürlich so darstellen, wie es
heutzutage in den sozialen Medien gemacht wird. Aber so ist das Leben nun mal nicht.
Eine Geschichte ist eine Geschichte. Sie muss irgendwie „funktionieren“, damit man ihr folgen kann. Damit jemand sie bis zum Ende liest oder ansieht. Es ist die Aufgabe einer Geschichte, zu
verführen. Und zu locken. Sie folgt, in angepasstem Rhythmus, einer Perspektive, die Emotionen weckt. Sie ist eine manipulative Erklärung. Eine Analyse. Eine Erlaubnis, etwas zu tun, oder ein
Verbot, es nicht zu tun. Eine Aufforderung. Eine Art Lehrstück. Oder eine Denksportaufgabe. Ein sprachliches Sudoku. Einfach nur Zeitvertreib. Nicht wahr? Menschen lernen mit ihrer Hilfe leicht.
Sie passen sich jedem Wahnsinn an und richten ihr Leben und ihre Werte danach aus, solange man sie geschickt verführt. Seit dem Aufkommen des Fernsehens haben wir gelernt, die Welt und vor allem
uns selbst so zu verstehen, wie es uns die Fernsehsendungen erklären wollen. Jetzt erziehen uns zusätzlich TikTok und YouTube.
Die Therapeutin fragte, welche Sendungen du gerne schaust.
Als Kind hast du „Columbo“ zusammen mit deinem Vater und deiner Schwester geschaut. Damals, wenn deine Mutter – meist schon am Samstagabend – nach ihrer nächtlichen Psychose eingeschlafen war und
ihren Kater ausschlief. Und auch mit Tilkkanen hast du „Columbo“ geschaut. Du schaust immer noch „Columbo“.
„Gefühle sagen uns, wohin wir nicht gehen sollten und wohin es sich dagegen lohnt. Wie man vernünftig und gesund mit den Dingen umgehen sollte.“ Das sagte die Therapeutin zu dir, um dich dazu zu
bringen, deinen Gefühlen positiver gegenüberzustehen.
Wenn also meine Mutter verrückt geworden ist (oder ich selbst es geworden bin) und entweder geschrien oder vor Schreck nur noch geschwiegen hat, sagt das also genauso viel über das Lebensumfeld
aus wie über die verrückte Schreierin, nicht wahr? Hast du gesagt. Über die ganze Gemeinschaft. Warum macht diese Gemeinschaft dann keine Therapie, um ihre eigene gemeinsame Geschichte zu
untersuchen und darüber nachzudenken, was da eigentlich geschehen ist? Warum bin nur ich hier?
Du räumst die Zitronenschalen vom Spültisch und fegst den Boden. Dein Blick bleibt an den Wolken hängen, deren Bewegungen im Wind durchs Fenster zu sehen sind. Du hörst, wie die Straßenbahn
vorbeirattert. Der Nachbar saugt Staub. Irgendwo bellt ein Hund.
In einem Monat wären die Bäume der Stadt schon schwer von hängenden Blättern. Und wenn du morgens einfach aus dem Bett steigst und so tust, als würdest du anfangen, Dinge zu erledigen, wirst du
schon munter werden und anfangen, Dinge zu erledigen, denkst du. Aber du solltest vorsichtig sein. Vor kurzem hattest du beim Radfahren einen Unfall. Auf der Fahrbahn neben dem Radweg gab es
einen Stau. Plötzlich wurde eine Autotür geöffnet. Du bist dagegen geprallt. Im Großen und Ganzen bist du mit einem Schreck davongekommen. Deinem Fahrrad erging es schlechter.
Du holst dein Handy heraus, auf dem im Laufe des Vormittags und nun schon des Nachmittags weitere Nachrichten von deinem Geliebten eingegangen sind. Hauptsächlich Bilder. Aber auch Worte, Sätze
und sogar ein paar Fragen.
*
Der Hunger
Manchmal war deine Erschöpfung so groß, dass du es nicht einmal mehr geschafft hättest, sie von neuem zu beschreiben. Warum sollte man das überhaupt tun? Was würde das bringen? Du hättest lieber
im Arm gehalten werden wollen. Die Therapeutin sagte, dass das Umarmen nach ihrer Methode verboten sei. Jemand anderes müsste das tun. Man darf der Patientin höchstens die Hand geben, keine
weitere Berührung.
„Wir sind hier nicht in irgendeiner Kommune“, sagte sie.
Aber was, wenn es diesen anderen nicht gibt? Es gäbe Hobbygruppen, in die man gegen Bezahlung gehen könnte, um einander zu umarmen. Die Chinesen hatten eine Fernkussmaschine entwickelt. Durch das
Aufdrücken der eigenen Lippen auf eine Silikonplatte in Wien konnte man theoretisch das Gefühl eines Kusses an die Lippen des Geliebten übertragen, der mitten in Italien auf eine Silikonplatte
drückte. Du hattest so ein Gerät auf einer Messe in Linz ausprobiert. Es war ganz schrecklich.
*
Die Mahlzeit
Das Fremde zu lieben sei wie ein Kleinkind zu sein, das wahllos alles in den Mund steckt, um die Welt kennenzulernen, sagtest du.
Aus dem Finnischen übersetzt von Satu Taskinen und Almut Tina Schmidt.
Finnisch
Kelloseppä
Lapsena kuvittelit sellaisia ihmeitä tosiksi, että ihmisen pää avataan ja sillä tavalla korjataan, kuin kelloseppä korjaisi väärään tahtiin käyvän tai paikoilleen jumittuneen kellon. Toiveesi
liittyi äitiisi ja hänen nimettömään sairauteensa.
Unelmoit sellaisesta vieläkin.
On alettu puhua uudestaan sähkösokeista. Niillä saa kuulemma hyviä tuloksia masennuksen hoidossa… olit ennen joulua kävelyllä ystävän kanssa Prater Hauptalleella. Juttelitte. Hän sanoi menneensä
pyytämään sähkösokkeja. Niitä ei annettu hänelle.
Hänen haluttiin sen sijaan puhuvan, sanoit terapeutille. Tekin haluatte, että minä puhun teille. Että kerron teille menneisyydestäni ja tunteistani, aiemmista ja tuoreista kokemuksistani
tarinoita. Te esitätte kysymyksiä ja yritätte saada minua näkemään tarinoissa jotain uutta. Minun näkökulmani muuttumaan. Tai laajentamaan niitä tarinoita. Muistamaan jotain, mitä olin
tarkoituksella tai muuten vain unohtanut. Sanotte, että minä sillä tavalla tarinoita kertomalla opin ymmärtämään itseäni ja omaa rooliani ympäristössäni. Mutta miten niin me muka opimme
ymmärtämään itseämme tarinoiden kautta?
Eikö ole niin, että tarinoista opimme vain näkemään itsemme sellaisen osana? Eikö elämästä sillä tavalla tule yhä enemmän tarinan synonyymi?
Mitä seurauksia on nähdä tarina elämän synonyyminä? Tarinalle on olemassa kaikenlaisia muodollisia vaatimuksia. Siinä pitää olla jokin keskeinen teema ja kiinnostava alku ja kiinnostava loppu.
Sen pitää viihdyttää. Esimerkiksi. Kaikkea tällaista. Jos elämä ja tarina rinnastuvat toisiinsa, ja tarinoilla selitetään ja kuvaillaan elämää, eikö ole vaarassa käydä niin, että tarinan
vaatimukset siirtyvät koskemaan myös elämää? Ja eikö silloin väistämättä käy niin, että elämä alkaa näyttää huonolta ja puutteelliselta ja jollain tavalla vialliselta? Koska eihän elämässä
toteudu mikään tarinan kaava. Sellaista toki voidaan esittää, niin kuin somessa nykyään tehdään. Mutta eihän elämä ole niin.
Tarina on tarina. Sen pitää jollain tavalla ”toimia”, jotta sitä jaksaa seurata. Jotta joku lukee tai katsoo homman loppuun asti. Tarinan tehtävä on vietellä. Ja houkutella. Se on sopivaan
rytmiin aseteltu tunteita herättävä näkökulma. Se on manipuloiva selitys. Analyysi. Lupa tehdä jotain tai kielto olla tekemättä. Kehotus. Jonkinlainen opinkappale. Tai aivopähkinä. Kielellinen
Sudoku. Ihan vain pelkkää ajanvietettä. Eikö niin? Ihmiset oppivat niiden avulla helposti. Sopeutuvat mihin tahansa hulluuteen ja mukauttavat elämisensä ja arvonsa, kunhan heidät viettelee
taitavasti. Ttelevision synnyttyä opimme ymmärtämään maailman ja itsemme varsinkin niin kuin tv-ohjelmat meille haluavat asiat selittää. Nyt meitä lisäksi kasvattavat TikTok ja
Youtube.
Terapeutti kysyi, mitä ohjelmia sinä mielelläsi katsot.
Katsoit Columboa isän ja siskon kanssa lapsena. Silloin aina kun äiti jo yleensä lauantai-iltana oli yön kestäneen psykoosinsa jälkeen nukahtanut ja nukkui krapulaansa pois. Ja Tilkkasenkin
kanssa katsoit Columboa. Katsot Columboa edelleen.
”Tunteet kertovat meille, mihin meidän ei pitäisi mennä ja mihin puolestaan kannattaisi. Miten asioihin olisi järkevää ja tervettä suhtautua.” Niin terapeutti sinulle sanoi saadakseen sinut
suhtautumaan tunteisiisi myönteisemmin.
Kun äitini siis on (tai minä itse olen) tullut hulluksi ja joko huutanut tai sen vastapainoksi vaiennut kauhusta, kertoi se siis elinympäristöstä yhtä paljon kuin hulluksi tulleesta huutajasta,
niinkö? sinä sanoit. Koko yhteisöstä. Miksei se yhteisö sitten ole terapiassa tutkimassa omaa yhteistä tarinaansa ja pohtimassa, mitä oikein on tullut tehtyä? Miksi vain minä olen?
Siivoat sitruunankuoret tiskipöydältä ja lakaiset lattian. Jäät seuraamaan katseellasi ikkunasta näkyviä tuulessa liikkuvia pilviä. Kuulet kun raitiovaunu kilkattaa. Naapuri imuroi. Jossain
haukahtaa pari kertaa koira.
Kuukauden kuluttua kaupungin puut olisivat jo painavina lehdistä. Ja jos vain aamulla nouset sängystä ja esität alkavasi tehdä asioita, olet pirteä ja alat tehdä asioita, sinä ajattelet. Mutta
pitäisi olla varovainen. Vähän aikaa sitten sinulle kävi pyöräillessäsi onnettomuus. Oli autojono, jonka vieressä pyörätie. Yhtäkkiä yksi auton ovi avattiin. Törmäsit siihen. Selvisit suureksi
osaksi säikähdyksellä. Pyörällesi sen sijaan kävi huonommin.
Kaivat esiin puhelimesi, johon aamupäivän ja nyt jo iltapäivän kuluessa on tullut lisää viestejä rakastetultasi. Pääasiassa kuvia. Mutta myös sanoja, lauseita ja jopa pari kysymystä.
Nälkä
Joskus uupumisesi tila oli niin suuri, että et millään olisi taas jaksanut yrittää kuvailla sitä. Minkä tähden niin pitäisi tehdä? Mitä hyötyä siitä olisi? Haluaisit ennemmin tulla pidetyksi
sylissä. Terapeutti sanoi että hänen metodinsa mukaan sylissä pitäminen on kiellettyä. Jonkun toisen pitäisi tehdä se. Ei saa koskea potilaaseen kuin korkeintaan niin että kätellään.
”Emme ole täällä missään kommuunissa”, hän sanoi.
Mutta mitä jos ei ole sitä jotain toista? Olisi harrasteryhmiä, joihin voi maksusta mennä ja joissa halattiin. Kiinalaiset olivat kehittäneet etäsuutelukoneen. Omien huulten painamisella
silikonialustaan Wienissä saattoi teoriassa lähettää suukkotuntemuksen rakastetun silikonialustaan painamiin huuliin keskellä Italiaa. Olit yksillä messuilla Linzissä kokeillut sellaista
vehjettä. Se oli ihan kauheaa.
Ateria
Rakastaa vierasta on olla kuin taapero, joka valikoimatta työntää suuhunsa kaiken tutustuakseen maailmaan, sinä sanoit.