Loulou Omer (Israel/Österreich) ist Dichterin, Musikerin und Choreografin. 1969 in Tel Aviv geboren, lebt sie seit 1992 in Europa, heute in Wien. Sie schreibt Lyrik auf Hebräisch, Deutsch und Französisch. Ihre Texte erschienen u. a. in Preistexte 2021 (Edition Exil, Wien), Was es bedeuten soll (Parasitenpresse, Köln) und Moznaïm (Tel Aviv). Omer vertont viele ihrer Gedichte und schafft multidisziplinäre Bühnenstücke, in denen sie Sprache, Musik und Bewegung verbindet. 2021 wurde sie mit dem Exil-Literaturpreis ausgezeichnet, 2023 erhielt sie das Jahresstipendium der Stadt Wien.
Deutsch
EIN BRIEF
Mit zitternden Händen,
nicht vor Furcht,
nicht vor Aufregung,
Aufgrund einer Erbkrankheit,
Keine schlimme,
keine gefährliche,
nur beschämend und sozial peinlich.
Und vor dem Hintergrund dieses Schlachtens,
und dieses Schlachtens,
Warum zweimal? Unsinn!
Vor diesem einen, einzigen Hintergrund
habe ich
die hebräischen Buchstaben
zitternd
auf die Tastatur geklebt.
Schmutzig was herauskam
Schade
um den neuen Rechner,
diese Aufkleber
wollte er nicht,
der neue Denker,
dieses körperliche Geklebe.
Aus seiner Sicht
ist das Ur -Geschichte.
Doch er irrt sich,
er kennt sich nicht aus in der Wirklichkeit
der Zeit,
er versteht nichts
von der alten, klebrigen
Vergangenheit,
dieser
gegenwärtigen
Sache.
Eine Täuschung,
ist es nicht.
Es ist doch
uralt wie im Anfang
zum Beispiel.
Und viele andere Beispiele, wie die
der Wörter,
der Toten,
einerseits-andererseits.
Warum zweimal?
Unsinn! Ich bringe mich selbst zum Lachen,
Hauptsache – guter Dinge bleiben,
es gibt gute und böse
Dinge,
Geister, meinte ich,
es gibt viele,
wie sich herausgestellt hat.
Alle möglichen Dinge haben sich herausgestellt
und viele davon haben sich als Fehler herausgestellt.
Schlimme Fehler,
stellte sich heraus.
Wir wussten das nicht,
vorher.
Und nicht jeder Fehler lässt sich wiedergutmachen,
es gibt solche und solche,
es gibt und es gibt nicht,
es gibt alle Arten,
aber nicht so viele,
wenige,
zwei -
Ja, auf das Leben!
und
gestern, plötzlich, begriff ich,
dass, wer leben will,
liebt.
In Liebe,
Deine
Zitternde.
EINS UND EINS
Was das Knüpfen von Kontakten angeht, verbessere ich mich
Es ist fast eine natürliche Sache geworden
Manche haben schon Interesse an mir
Und auch, vielleicht, wollen tatsächlich was
Hoffen
Mein Name läuft zweifellos, ohne mich
Veröffentlicht mich als eine unantastbare Sache
Eine Art Wahrheit
Alles das weist auf keinen schlechten existenziellen Zustand hin
Sogar noch mehr, bestimmt –
Diese Gewissheit halte ich mir fest ans Herz
In einer Bärenumarmung
In einer Siegesfeier
Ins Schaffen
In dem Nicht-sehen des Anderen
Das zu mir reinkommt
Oder von mir ausgeht
Schau, zwei und zwei sind fast vier
Oder auch, eins und eins ist zwe-
Ohne Bärenumarmung
Ohne Umarmung überhaupt
Es ist einfach, an sich
Die Wah -
Übersetzt von der Lyrikerin
Hebräisch
יְקָרַי,
בִּידַיִם רוֹעֲדוֹת,
לֹא
מִפַּחַד,
לֹא מֵרֶגֶשׁ,
מִמַּחֲלָה תּוֹרַשְׁתִּית.
לֹא חֲמוּרָה,
לֹא מְסֻכֶּנֶת,
רַק מְבִישָׁה וְ... חֶבְרָתִית.
וְלְרֶקַע הַטֶּבַח הַזֶּה,
וְהַטֶּבַח
הַזֶּה,
לָמָּה פַּעֲמַיִם? שְׁטוּת!
לְרֶקַע זֶה, הָאֶחָד,
הִדְבַּקְתִּי לִי,
בְּרַעַד,
אֶת הָאוֹתִיּוֹת הָעִבְרִיּוֹת עַל הַמִּקְלֶדֶת.
יָצָא מְלוּכְלָךְ.
חֲבָל,
עַל הַמַּחְשֵׁב
הֶחָדָשׁ,
הַהִדָּבְקוּיוֹת הָאֵלֶּה,
הוּא לֹא רָצָה,
הַחוֹשֵׁב הֶחָדָשׁ,
אֶת הַדָּבִיק הַגּוּפָנִי הַזֶּה.
מִבְּחִינָתוֹ,
זֹאת
פְּרֵהִיסְטוֹרְיָה.
אֲבָל הוּא טוֹעֶה,
הוּא לֹא מִתְמַצֵּא
בַּמְּצִיאוּת,
שֶׁל הַזְּמַן,
הוּא לֹא מֵבִין,
בֶּעָבָר,
הַיָּשָׁן וְהַדָּבִיק
שֶׁל הַדָּבָר
הַהוֹוֶה הַזֶּה.
הֲזָיָה,
זֶה לֹא.
זֶה כֵּן,
קַדּוּם, כְּמוֹ
בְּרֵאשִׁית,
וְלְמָשָׁלִים רַבִּים אֲחֵרִים, כְּמוֹ אֵלֶּה
שֶׁל הַמִּילִים
שֶׁל הַמֵּתִים,
מִכָּאן וְמִכָּאן.
לָמָּה פַּעֲמַיִם?
שְׁטוּת! אֲנִי מַצְחִיקָה אֶת עַצְמִי,
הָעִקָּר לִשְׁמוֹר עַל רוּחַ
טוֹבָה,
יֵשׁ טוֹבוֹת וְיֵשׁ רָעוֹת,
רוּחוֹת, הִתְכַּוַּנְתִּי,
יֵשׁ הַרְבֵּה, מִסְתַּבֵּר.
הִסְתַּבְּרוּ כָּל מִינֵי דְּבָרִים וְהַרְבֵּה הִסְתַּבְּרֻיּוֹת
הִסְתַּבְּרוּ שְׁגוּיוֹת.
שְׁגִיאוֹת חֲמוּרוֹת,
הִסְתַּבֵּר,
לֹא יָדַעְנוּ,
קוֹדֶם.
וְגַם לֹא לְכָל שְׁגִיאָה יֵשׁ תִּיקּוּן,
יֵשׁ
וְיֵשׁ,
וְיֵשׁ וְאֵין,
יֵשׁ כָּל מִינֵי,
אֲבָל לֹא הַרְבֵּה,
מְעַט,
שְׁתַּיִם
כֵּן! לַחַיִּים
וְ
אֶתְמוֹל פִּתְאוֹם הֵבַנְתִּי
שֶׁמִּי שֶׁרוֹצֶה
לִחְיוֹת
אוֹהֵב.
בְּאַהֲבָה,
שֶׁלָּכֶם,
הָרוֹעֶדֶת
אֶחָד וְעוֹד אֶחָד
בְּנוֹגֵעַ לִיצִירַת קְשָׁרִים אֲנִי מִשְׁתַּפֶּרֶת
זֶה הָפַךְ כִּמְעַט לדבר טִבְעִי
חֶלְקָם כְּבָר מִתְעַנְיְנִים בִּי
וְגַם, אוּלַי, רוֹצִים מַשֶּׁהוּ
מְקַוִּים
הַשֵּׁם שֶׁלִּי, לְלֹא סָפֵק, מִתְנַהֵל לוֹ בִּלְעָדַי
מֵפִיץ אוֹתִי בָּרַבִּים כִּדְבַר שֶׁאֵין עָלָיו עוֹרְרִין
סוּג שֶׁל אֱמֶת
כל זה משקף מצב קיומי לא רע
אפילו יותר מזאת - ממש
את העובדה הזו אני מאמצת לליבי
בחיבוק דוב
בחגיגת ניצחון
ביצירה
באי ראית הזולת
הבא אל קרבי
או היוצא ממנו
תראי, שְׁתָיִים ועוד שְׁתָיִים זה כמעט ארבע
או, גם, אחד ועוד אחד זה שְׁתָ
בלי חיבוק דוב
בלי חיבוק בכלל
זה פשוט, כשלעצמו
הַאֱמֶ