Kurt F. Svatek(Österreich) geb. 1949, veröffentlichte einschließlich der Übersetzungen bisher mehr als 60 Bücher und Broschüren (Haiku, Lyrik, Aphorismen, Essays, ein Roman). Seine Texte wurden mittlerweile in alle Weltsprachen übersetzt. Er ist Vorstandsmitglied des Österreichischen P.E.N.


 

Deutsch

 

Va, pensiero*)

 

Der Klang des Friedens,

den viele so lag in den Ohren zu haben glaubten,

wie schnell ist er vergessen,

durch das aufgeregte Heulen der Sirenen,

durch das Dröhnen von Flugzeugmotoren,

durch das Fallen der Bomben.

 

Gibt es eine Engelsharfe,

die ihn jenen immer und immer vorspielt,

die ihn so gar nicht höre wollen?

Gibt es die Engelszungen,

die so lang vom Frieden reden,

bis sie, wenn auch spät, erhört werden?

 

Gibt es die Tauben,

die vor den verblendeten Lidern flattern,

bis alle, die das so gar nicht wollen,

den Krieg aus den Augen verlieren müssen?

Gibt es den Wolkenbruch,

der auch Gedanken wäscht?

 

Gibt es das alles außerhalb des Traums?

Gibt es den leisen aber stetigen Klang des Friedens?

Vielleicht, nur sicher,

sicher ist das nicht.

 

Dennoch: Va, pensiero, sull’ali dorate,

flieg Gedanke auf goldenen Schwingen ...

 

*) Chor aus Verdis Oper Nabucco

 

 

 

 

 

Abgesang

 

Die Macbeths,

sie wissen was sie tun

und tun es weiter

auf allen Bühnen.

 

Es gibt da Fahrstühle,

die einfach nur ins Nichts fahren.

Und die Nächte werden

schlafloser und schlafloser.

 

Der wahre Tanz,

das ist der Tanz der Hexen.

Sie umgarnen dich,

sie umringen dich,

 

sie ersticken dich,

und sie haben immer Recht.

Das Selbstbewusstsein legt die Wörter

nur oftmals anders aus,

 

denn alle Unterdrückten werden

an die Macht gekommen,

seit je her selbst zu Unterdrückern,

und verwechseln den eigenen Körper mit der Welt.

 

Kein Wahnsinn

bleibt an seinem Ausgangspunkt,

er greift um sich.

Die Hand wühlt in der Asche.

 

Der Abgesang, so lieblich er denn sein mag,

das ist immer einer der Sirenen,

die, was jemals sich ereignet hat,                    

schon vorher wussten. 

 

Doch wer gerade im Begriff ist, alles zu verlieren,

dem wird auch alles unbedeutend.

Auf dem Grabstein

stehen ohnehin nie Schmeicheleien.

 

 

APHORISMEN

 

In Friedenszeiten kannst du nicht alles haben, in Kriegszeiten gar nichts.

Eine hauchdünne Porzellantasse und der Frieden, beide brechen so leicht.

Der Frieden fällt nicht vom Himmel, die Bombe schon.

Krieg wäre doch auf die Fragen von heute nur eine Antwort von gestern.

Das elfte Gebot: Du sollst nicht über fremde Völker herrschen.