Aurelia Merz (Österreich) schreibt Kurzgeschichten und Gedichte, sie lebt und arbeitet in Wien.
Deutsch
DUNKLE TAGE 1
Wo sind deine Lieder,
wo sind die Gedichte
die ganz und gar zu dir gehörten,
als Teil von dir, als Teil von deinem Sein.
Wo sind sie jetzt?
Begraben
in dem Schutt zerstörter Häuser,
versunken in den Strömen
von Tränen und von Blut,
verweht
im kalten Wind des Krieges.
Manchmal des Tags
siehst du Schatten im Nebel -
Bilder gestorbener Träume.
Manchmal des Nachts
hörst du ganz ferne Töne,
- Echos vergangener Tänze,
verlorener Lieder.
Dir droht nicht mehr Gefahr,
du bist in Sicherheit,
doch ohne Kraft und Mut
Als jüngst die Muse
dich zaghaft küssen wollte
hast du gesagt, "Es ist zu früh"
und hast ganz schnell
den Kopf hinweg gedreht
DUNKLE TAGE 2
Da stehen oder sitzen sie
vor den Supermärkten,
in ihren schwarzen Röcken, dunklen Hosen,
mit dem Augustin im Arm,
den sie verkaufen wollen
mit einem Becher in der Hand,
die sie dir entgegenstrecken.
Sie folgen dir
mit ihren Hundeblicken,
mit ihren weinerlichen Stimmen
wünschen sie Guten Tag.
Ein Blatt Karton
hat einer neben sich gestellt,
und darauf steht
Ich habe Hunger.
Das zu sehen stört,
wenn du mit vollgepackten Taschen
endlich das Geschäft verlässt,