Denial Bahtijaragić, (Jugoslawien/Österreich) geboren 1983 im ehemaligen Jugoslawien, floh 1992 infolge des Krieges mit seiner Familie nach Österreich, wo er seither lebt. Er studierte Philosophie an der Universität Wien und beschäftigt sich seit seiner Jugend intensiv mit Literatur und dem Schreiben. Seit 2022 veröffentlicht er regelmäßig und tritt mit Lesungen an die Öffentlichkeit. Er ist Mitglied im Österreichischen Schriftsteller/innenverband sowie im PEN-Club Austria.

 

 

 Deutsch

 

IM HAMERLINGPARK

Für FGA

Auch damals hat man viel über Russland gesprochen. Ich kann mich noch gut erinnern. Dreiundneunzig sahen wir im Fernsehen die Bilder eines brennenden weißen Regierungsgebäudes in Moskau. Mutter sagte zu mir und meiner kleinen Schwester, wir sollten still sein, und fragte Vater, ob jetzt der Atomkrieg käme. Dieser erwiderte mit traurigen Augen, dass es ihm egal wäre. „Jetzt kann sowieso alles zum Teufel gehen“, sagte er und blickte auf den Parkettboden. Jeden Morgen schrubbte er ihn und sprach dabei kaum ein Wort. Dann begann er, die Deutschlehrbücher zu studieren, um sich auf die Nostrifikation vorzubereiten. Er schrieb Vokabeln in sein Heft, während er stumm die Lippen bewegte.

Manchmal ging Mutter in der Früh zum Hofer, kaufte Semmeln in einem orangefarbenen Netz um zehn Schilling, und ich überlegte, dass eine Semmel also einen Schilling kostete. Einmal fragte ich, ob ich Schaumrollen haben dürfte, aber sie sagte, dass wir dann kein Geld mehr für die Milch hätten. Ich meinte, dass Milch natürlich wichtiger sei. Sie lächelte mir mit traurigen Augen unsicher zu. Dann strich sie meiner kleinen Schwester und mir über den Kopf. Das waren diese frühen Neunziger, und wir lebten in einer Zimmer-Küche-Kabinett-Wohnung, in der ein Lachen selten geworden war.

Ich hatte nur ein paar Bücher und einen Walkman mit einer Kassette mit Schlagern, die ich immer wieder hörte. Ein Lied hieß „Frühling in Amsterdam“, und im kleinen Hof stand ein schöner Marillenbaum. Ich las in einer alten Kinder-Enzyklopädie, zeichnete die Umrisse unbekannter Inseln, die weit weg waren, und träumte viel. Manchmal hatte ich Gewissensbisse, weil ich so wenig an unsere Stadt und an unsere Verwandten dachte. Die Familie meiner Mutter war noch dort, während die meines Vaters, wie wir, nun im Ausland lebte: Deutschland, Schweden, Türkei, Kanada.

„Du musst öfter an sie denken“, sagte ich mir immer wieder und hatte Angst, nicht mehr zu wissen, wie sie aussahen, oder sogar die Straßen meiner Heimatstadt zu vergessen. Alle Mühe half oft nichts, und ich träumte mich fort – dachte an entfernte Inseln, aber auch an die Straßen unserer neuen Stadt: die Thaliastraße, den Brunnenmarkt, der bis zum Bauernmarkt am Yppenplatz reichte, und den Gürtel, der Tag und Nacht von Autos befahren wurde, mit der Bahn in seiner Mitte.

Einmal setzte ich mich sogar in die 46er Tramway und fuhr bis zum Dr.-Karl-Renner-Ring, wo ich träumend die monumentalen Gebäude bestaunte. Als ich wieder zurück in der Thaliastraße war, fand ich Mutter weinend bei der Straßenbahnhaltestelle. Sie sagte, sie wäre tausend Tode gestorben und ich dürfe das nie wieder tun. „Wir sind schließlich ganz allein in dieser fremden Welt“, sagte sie.

Als ich zur Schule zu gehen begann, sagte ich, meine Angst verbergend, zu meinem Vater: „Ich weiß nicht, ob wir hierbleiben, aber es ist eine gute Gelegenheit für mich, Deutsch zu lernen.“ Er schwieg. An einem Samstag – Mutter war mit meiner kleinen Schwester beim Hofer – sah ich, wie Vater sich auf den Boden setzte, den Rücken an die Wand lehnte, das Gesicht in den Händen vergrub und weinte. Ich erschrak, wagte es aber nicht, mich umzudrehen. Stattdessen atmete ich schwer, bekam einen trockenen Mund, blickte zu dem Marillenbaum und versuchte zu träumen.

Ja, das waren jene frühen Neunziger, als Lachen zu Hause selten war, wir ganz allein, und ich mir nichts sehnlicher wünschte als einen Freund. Seit wir weggegangen waren, hatte ich keine Freunde mehr. Oft sagte ich mir, dass ich öfter an sie denken müsste, aber irgendwie gelang es mir nicht. Damit Vater ungestört lernen konnte, ging Mutter mit meiner kleinen Schwester und mir spazieren. Wir fanden einen Park, dann einen noch schöneren, und schließlich – auf der anderen Seite des Gürtels – den Hamerlingpark.

Ich sagte zu meiner Mutter, das sei bestimmt der schönste Park in Wien. Ich ging zur Rutsche, dann zur Schaukel und schließlich stand ich vor der Wippe. Dort sah ich einen Jungen, der ungefähr in meinem Alter war. Er hatte hellbraunes Haar, helle Haut und schöne blaue Augen, die mich anlachten. Ich verstand, dass sein Name Tom war. Wir schaukelten, kletterten das Gerüst hoch und liefen dann um den Park, spielten Fangen. Jedes Mal, wenn er mich einholte, spürte ich seine verschwitzten Handflächen und hörte seinen heftigen Atem, unterbrochen von lautem Lachen. Seine Mutter rief ihn, und ich sah, dass sie mit meiner Mutter auf einer Parkbank saß, sich mit ihr unterhielt und mein kleines Schwesterchen bewunderte. In der Nacht konnte ich nicht einschlafen und fragte mich, ob ich Tom wohl bald wiedersehen würde.

Am nächsten Sonntag gingen wir wieder in den Hamerlingpark, und ich sah Tom auf der Schaukel. Ich winkte und ging lachend zu ihm. Doch er hörte auf zu schaukeln, schwieg und sah mich nur an. Das Lächeln in seinen Augen war verschwunden. Anstelle des Frohsinns bemerkte ich in ihnen – so schien es mir – einen Ausdruck von Angst, aber auch von Mitleid. Schließlich senkte er den Blick und ging weg, fast so, als würde er vor mir fliehen. Ich begann zu weinen und blickte zu den Dächern der hohen Gebäude, die sich um den Park türmten. „Nun bist du wieder ganz allein“, sagte ich zu mir.

„Ich habe eine Frau aus Neuseeland kennengelernt, als ich mit den Kindern im Park war“, hörte ich Mutter ein paar Tage später zu Vater sagen. Er meinte, Wien sei wirklich eine Metropole, in der Menschen aus aller Welt lebten. Dann fragte er:
 „Hast du ihr erzählt, dass wir Flüchtlinge sind?“
 „Ja, habe ich“, antwortete Mutter nachdenklich. „Sie hat gemeint, dass man das alles beobachtet habe, selbst in Neuseeland. Es sei schrecklich, was in Jugoslawien geschehe. Niemand könne es begreifen. Niemand könne begreifen, was bei uns in Jugoslawien geschieht.“

Übersetzt vom Autor.


 Bosnian

U HAMERLING PARKU

Za FGA

 

I tada se puno pričalo o Rusiji. Dobro se sjećam. Devedeset treće smo na televiziji gledali snimke bijele, zapaljene zgrade vlade u Moskvi. Majka je rekla meni i mojoj maloj sestri da budemo tihi i pitala oca hoće li sada početi nuklearni rat. On je, tužnih očiju, odgovorio da mu je svejedno. „Sad sve ionako može otići do vraga“, rekao je i pogledao u parket. Svakog jutra ribao je pod i pri tome jedva da bi išta rekao. Onda je počeo učiti iz udžbenika njemačkog jezika, da bi se pripremio za nostrifikaciju. U svoju je svesku zapisivao riječi, nijemo mičući usnama.

Ponekad je majka rano ujutro išla u Hofer, kupovala zemičke u narančastoj mrežici za deset šilinga, a ja sam računao kako jedna zemička onda košta jedan šiling. Jednom sam je pitao mogu li dobiti šaumrole, ali ona je rekla da tada ne bismo imali novca za mlijeko. Rekao sam da je mlijeko, naravno, važnije. Nasmijala mi se nesigurno, tužnih očiju. Zatim je pomilovala po glavi moju malu sestru i mene. To su bile te rane devedesete, a mi smo živjeli u malom stanu, sobakuhinjakabinet, garsonjeri u kojoj je smijeh postao događaj.

Imao sam samo nekoliko knjiga i vokmen s jednom kasetom sa šlagerima, koju sam slušao uvijek iznova. Jedna se pjesma zvala „Proljeće u Amsterdamu“, a u malom dvorištu stajala je lijepo drvo sa merelicama. Čitao sam staru dječju enciklopediju, crtao obrise nepoznatih, dalekih otoka i puno sanjario. Ponekad sam imao grižnju savjesti jer tako malo mislim na naš grad i našu rodbinu. Majčina obitelj bila je još tamo, dok je očeva, kao i mi, sada živjela u inozemstvu: Njemačka, Švedska, Turska, Kanada.

„Moraš češće misliti na njih“, ponavljao sam sebi i bojao se da se više neću sjećati kako izgledaju, pa čak ni ulica našega rodnog grada. Sav trud često nije pomagao i ja sam se u mislima udaljavao – mislio na daleke otoke, ali i na ulice našega novog grada: Thaliastraße, pijacu Brunnenmarkt, koja se protezala do seljačke pijace na Yppenplatzu, i na Gürtel, preko kojega su dan i noć prolazila auta, s prugom usred njega.

Jednom sam čak sjeo u tramvaj broj 46 i odvezao se do Dr.-Karl-RennerRinga, gdje sam zamišljeno promatrao monumentalne zgrade. Kad sam se vratio u Thaliastraße, našao sam majku kako plače na tramvajskoj stanici. Rekla je da je umrla od straha i da to više nikada ne smijem napraviti: „Mi smo ipak sasvim sami u ovom stranom svijetu!“

Kad sam počeo ići u školu, da bih sakrio svoj strah, rekao sam ocu: „Ne znam hoćemo li ostati ovdje, ali ovo je prilika za mene da naučim njemački.“ On je šutio. Jedne subote – majka je s mojom malom sestrom otišla u Hofer – vidio sam kako je otac sjeo na pod, naslonio leđa na zid, zaklonio lice dlanovima i zaplakao. Uplašio sam se, ali nisam se usudio okrenuti. Umjesto toga teško sam disao, usta su mi se osušila, pogledao sam prema stablu drveta sa merelicama i pokušao sanjati.

Da, to su bile one rane devedesete, kad je smijeh kod kuće postao događaj, bili smo sasvim sami, a ja nisam želio ništa više nego jednog prijatelja. Otkako smo otišli, više nisam imao prijatelje. Često sam sebi govorio da moram češće misliti na njih, ali nekako mi to nije uvijek uspijevalo. Da bi otac mogao na miru učiti, majka je s mojom malom sestrom i sa mnom išla u šetnju. Pronašli smo jedan park, pa onda jedan još ljepši i napokon, s druge strane Gürtela, Hamerling park.

Rekao sam majci da je to sigurno najljepši park u Beču. Otišao sam do tobogana, zatim do ljuljačke i na kraju stao pred klackalicu. Tamo sam vidio dječaka, otprilike mojih godina. Imao je svijetlosmeđu kosu, svijetlu kožu i lijepe plave oči koje su mi se smiješile. Saznao sam da se zove Tom. Ljuljali smo se, penjali po spravama, a onda trčali oko parka i igrali lovice. Svaki put kad bi me sustigao, osjetio bih njegove oznojene dlanove i čuo njegov težak dah, prekidan glasnim smijehom.

Njegova ga je majka pozvala, a ja sam vidio da sjedi na klupi s mojom majkom, razgovara s njom i divi se mojoj maloj sestrici. Te noći nisam mogao zaspati i pitao sam se hoću li uskoro opet vidjeti Toma.

Sljedeće nedjelje ponovno smo otišli u Hamerling park i vidio sam Toma na ljuljački. Mahnuo sam mu i nasmijan krenuo prema njemu. Ali on je prestao ljuljati se, ušutio i samo me gledao. Osmijeh u njegovim očima nestao je. Umjesto vedrine, učinilo mi se da u njima vidim strah, ali i sažaljenje. Na kraju je spustio pogled i otišao, gotovo kao da bježi od mene. Počeo sam plakati i podigao pogled prema krovovima visokih zgrada koje su se nadvijale nad parkom.

„Sada si opet sasvim sam“, rekao sam sebi.

„Upoznala sam jednu ženu s Novog Zelanda dok sam bila s djecom u parku“, čuo sam majku kako nekoliko dana kasnije govori ocu. On je rekao da je Beč baš metropola u kojoj žive ljudi iz cijeloga svijeta. Onda je pitao:
„Jesi li joj rekla da smo izbjeglice?“
„Jesam“, odgovorila je majka zamišljeno. „Rekla je da su sve to pratili, čak i na Novom Zelandu. Da je strašno to što se događa u Jugoslaviji. Nitko to ne može shvatiti. Nitko ne može shvatiti što se kod nas u Jugoslaviji događa.“