Maga Virginia Argarate (Argentinien/Österreich) arbeitet beim Verein OMEGA.  Sie studierte Kommunikationswissenschaft.  Sie ist Zertifizierte Trainerin in der Erwachsenenbildung. Sie hat Diplom Management mit interkulturellen Kompetenzen.

Deutsch

 

 

AUSLÄNDER RAUS!

 

 

 

„Ausländer raus!“ mein 16-jährige argentinisch/kanadisch Sohn scherzt mit meinem Partner, einen „reinrassigen Österreicher. Es ist ein saurer Witz, weil er den Kern jedes Menschen berührt, den Kern der Zugehörigkeit. Es ist aber auch ein sehr aktueller Witz, zu veranschaulichen wie Ausländer und Grenzen in einer großen und multikulturellen Familie wahrgenommen werden.

 

Dieser harmlose Witz – wir selbst leben seit 9 Jahre in Graz und haben die österreichische Staatsbürgerschaft – enthält die umfassendste Definition von Grenze, die ich mir vorstellen kann. In der humorvollen Longe finde ich auch die Antwort auf meine Frage zu Integration, Inklusion, Ausgrenzung, Diskriminierung, Willkommenskultur usw, usw…

 

Es geht nicht nur um geografische Grenzen, Staatsbürgerschaften, Pässe und rechtlichen Status. Und es geht viel um die Möglichkeit, sich tatsachlich in der Nachbarschaft, in der Stadt und in dem Land, in dem wir leben, zu Hause zu fühlen. Ich rede von der Möglichkeit, sich als wichtiger und aktiver Teil einer Gemeinschaft zu wahrnehmen.

 

Ich reflektiere wissentlich und aus meiner Erfahrung heraus, dass es, wie jede persönliche Erfahrung begrenzt und von zufälligen Vorfällen, Gluck und Pech sowie Privilegien und Nachteilen geplagt ist.

 

 

 

Multikulti ist die Farbe meiner Welt

 

Aus argentinischen Eltern wurden nur zwei meiner fünf Kinder in diesem Land  geboren, das mein Land ist (obwohl nicht das Land alle meiner Vorfahren) Zwei weitere meiner Kinder wurden in Deutschland geboren, wo wir  8 Jahre lang lebten, bevor wir nach Kanada zogen. Hier, soweit und so kalt, wurde das fünfte meiner Kinder geboren, das sich mit dem Witz von Ausländern amüsiert. Wir haben 8 Jahre in Kanada gelebt, bevor wir nach Österreich gekommen sind. Nach fast 25 Jahren des Umherwanderns haben wir ein Potpourri an Pässen und Staatsbürgschaften – einschließlich der Österreichern -und in ständiger Bearbeitung die Frage der Zugehörigkeit.

 

In Österreich ist unsere Familie weitergewachsen. Meine älteste Tochter hat einen deutschen Partner, die zweite hat einen Österreichischen Partner  und die dritte – das Mädchen, das an Sprachweh leidet -  lebt mit ihrem Englischer Freundzusammen, der keine Anzeigen, das er seine Heimat vermisst und sich in Graz sehr wohl fühlt.

 

Meine drei Enkelinnen sind Österreicherinnen mit einem österreichischen Vater und einer argentinisch- kanadischen Mutter.

 

STOP! (Ich denke, dass diese genealogische Erklärung zu einem Zungenbrecher geworden ist…aber ich versuche noch, über meine spanischen und Italienische Großeltern und Urgroßeltern, die einmal selbst nach Argentinien ausgewandert sind ….)

 

Dies ist die familiäre und Kulturelle Kontext, in dem sich der Witz wiederholt. Es ist einen Art Bumerang, den der junge Mann von dem, was er erhalten hat, in die Gesellschaft zurückwirft: „Ausländer raus!“

 

In diesem Zusammenhang hat ein Jugendlicher, der einem Einheimischen  „bestraft“, indem er als „Ausländer“ bezeichnet, mehrere Funktionen:

 

1 -Es erinnert den Einheimischen daran, dass er eine Minderheit in einer bestimmten Gruppe ist

 

2 – Es erinnert den Eiheimischen, dass er sich bemühen muss, um das Risiko des Ausschlusses zu vermeiden.

 

3- Der Jugendliche geht davon aus, dass er als Teil der Mehrheit die Möglichkeit und das Rech hat, Unterschiedliche auszuschließen.

 

4- Zugehörigkeit oder Fremd sein haben mit Staatsangehörigkeit und Reisepass weniger zu tun, vor allem aber mit der Haltung der Mehrheitsgruppe, der Gruppe, die in einem bestimmten Kontext die Macht innehat.

 

Die Ministerien und Gesetze entscheiden, wer in einem Land leben darf. Dies ist eine politische Frage. Mein Punkt ist jedoch, dass die wahre Grenze, die geöffnet werden muss, damit sich jemand, der in einem anderen Land geboren wurde, integrieren kann – die Grenze der Mehrheitsbürger ist. Sie entscheiden im dem täglichen Zusammenleben mit den Ankommenden, wer der „Ausländer“, der Außenseiter ist.

 

Das folgende ist eine Geschichte einer Begegnung, die vor kurzem stattgefunden hat. Deshalb kann es ich im Detail und mit einer gewissen Betäubung erzählen.

 

Die Verdammte Frage: Wo sind sie Zuhause?

 

Ich sagte nur gelegentlich "Hallo" und "Guten Morgen", während Franz und ich durch den Leechwald gingen. Ein Sonntag von so vielen.

Der Mann kam zu uns, um uns zu begrüßen und zu reden

Ich lächelte ihn an und machte Augenkontakt, während ich einem Gespräch, das mir fremd war, aufmerksam zuhörte.

Der Herr spürte die "Waffe" an seiner Taille und spielte mit seinen Fingern in einer entspannten und selbstbewussten Haltung.

Er war mir nicht unangenehm, aber ein Mann in Alarmbereitschaft. Plötzlich schoss die Frage, die auf seine Lippen guckte:

- Und Sie, wo ist sein Zuhause?

 

- In Graz

 

- Ich meine: wo sind sie zu Hause?

 

- In Graz. Mein Zuhause ist seit neun Jahren Graz. Seit vier Jahren bin ich Österreicherin.

 

Bereits mit einem Hauch von Ungeduld schoss der Herr eine verbesserte Version seiner Frage:

 

- Welche Sprache sprechen Sie? Was ist ihre Muttersprache?

 

- Meine Muttersprache ist Spanisch, weil ich in Argentinien geboren wurde und dort mein halbes Leben verbracht habe.

 

Langsam werde ich selbst ungeduldig. Ich bin auch defensiv und "bewaffnet", wenn ich durch Graz gehe.

 

- Und Sie, wo sind Sie Zuhause?

 

- In Graz natürlich. Ich komme aus Graz. Wie gefällt Ihnen mein Graz?

 

- Mir gefällt UNSER Graz sehr gut.

 

Es ist ein wunderschöner Sonntag. Wir gehen den Weg der Menschenrechte im Grazer Leechwald. Der Gentleman hat es geschafft, mich zu irritieren. Ein paar Meter dahinter befindet sich das Plakat, das uns an das Recht Nummer 13 erinnert, das genau das Recht ist, ein Zuhause zu bauen und sich wie zu Hause zu fühlen. (Jeder Mensch hat das Recht, sich innerhalb eines Staates frei zu bewegen und den Aufenthaltsort frei zu wählen.)

 

 

Dieser Text wurde im Rahmen einer von ISOP organisierten Schreibwerkstatt verfasst. Die Schreibwerkstatt wurde von Dr.in Ishraga M. Hamid in Graz geleitet.

 

 

Spanisch

 

 

RECONCILICIACION

 

 

 

Ich habe nicht von dem verstanden, was diese Plakate und diese Stimmen sagten (Yo no entendí nada de lo que decían esos carteles y esas voces) Y ellos no entendían nada de lo que yo decía, ni de lo que yo pensaba ni de lo que yo no decía. Las voces allá afuera no hablaban la lengua que yo escuché en el vientre materno. En el aeropuerto olía a prisa, a soledad y a sospecha. El aeropuerto olía a pasaportes recién emitidos y a pasaportes ajados. Y allí olía también a los hocicos de los perros policía que tiraban de las cerdas en dirección a los que llevaban prisa, de los que estaban solos y de los que no podían ocultar el olor de sus miedos.

 

Un ovejero alemán cruzo su mirada con la mía. Él hablaba el mismo idioma que los peros policía de la Argentina. El no se interesó en mí y prefirió tirar de la correar en dirección a un hombre moreno de barba rala y Adidas blancas.

 

Yo viajo con muy poco. Nadie diría que he venido para quedarme. Todo lo de valor que poseo lo traigo en mí y conmigo: equipaje de mano y alma. Adentro, el corazón vivo incrustado de voces, risas, canciones, textos, literatura española y todas esas palabras que pienso y todavía no he dicho. Y todas las palabras que todavía no he escrito.

 

He llegado y mi alemán se encuentra en algún punto de la línea entre el nivel B2 y C1. Es un alemán que, a causa de mi acento, de los errores gramaticales y del arte risueño con el que yo mastico las palabras, se hace difícil de entender. Para completar el cuadro:  mis ojos marrones que no se atemorizan sino interpelan y mi cabello oscuro, predisponen al interlocutor.

 

Yo organizo mi universo interior. Mi intelecto y mis sentimientos son como una película en español con subtítulos esporádicos en alemán. Yo hablo lo imprescindible. Yo escribo lo ineludible. No atiendo el teléfono. Cuando salgo de la consulta con el médico me quedo con preguntas sin hacer por temor a no formularlas correctamente.

 

Extranjero es el que no puede hablar, el que no se puede comunicar, el que no será escuchado. Extranjera es lo que yo no quiero ser.

 

El color de los próximos años es frio e impreciso. Yo estaré ocupada en demostrarme y convencerme de que las personas pueden comunicarse y amarse sin papeles, sin lápices y sin palabras. Yo estaré husmeando significados y descuartizado palabras ajenas, que yo en definitiva serán formas difusas e inútiles para expresarme pobre y malamente en alemán lo que en mi propio idioma tan diáfanamente puedo razonar, explicar y sentir. Yo vivo en una lengua que no es la lengua de los que me escuchan hablar.

 

Las gentes en la en la calle tiene los ojos de los perros policía, son al mismo tiempo desconocidos y viejos amigos. Ellos hablan conmigo. Ellos me ignoran. Ellos me interpelan y me abandonan. ¿Desinterés? ¿Impaciencia?  Adivinar lo que el interlocutor quiere decirnos es un juego abrumador. Yo me disculpo a menudo por robarles tiempo y paciencia. Yo me disculpo demasiado a menudo.

 

Las palabras precisas, las palabras con sabor, las palabras que tocan al otro, las palabras con las que nos entendemos, las palabras con las que oramos antes de dormir, las que murmuramos cuando hacemos el amor, las que usamos para transformar el mundo, son las palabras que aprendimos cuando nos amamantaban. Todas esas palabras se esconden ahora cuando tanto las necesito

 

Una noche no puede dormir. Tuve la necesidad imperiosa de decirle a alguien que lo amaba tanto que había perdido el control sobre mi corazón. También se me habían escapado todas las palabras. Fue una emergencia y fue urgente.

 

Sali a robar un texto en el que un poeta ya hubiera escrito esto por mí:

 

 

 

“Es de noche

 

y mi corazón se va hacia ti,

 

no se queda en su lugar,

 

no aguanta más estar en mí.

 

Esta sobre tu pecho,

 

como una piedra

 

que se hunde

 

en tu interior.

 

Recién allí

 

se tranquiliza,

 

allí en el suelo de tu ser”

 

 

 

Christian Morgenstern

 

 

 

El me miro a con los ojos con los que el ovejero alemán mira al policía cuando salen de servicio, ya en la intimidad del cuartel. Allí donde los policías andan sin uniforme ni armas y donde los perros bravos retozan y esperan una caricia.

 

Un poeta me reconcilió con una lengua. Un hombre me amigó con pueblo ajeno.